Fantasy-Geschichten schreiben - Wettbewerb
Wer bei einem Fantasy-Geschichten-Wettbewerb mitmachen möchte, merkt oft schon nach den ersten Absätzen: Eine gute Idee allein trägt noch keine starke Geschichte. Ein geheimnisvoller Wald, ein altes Amulett oder ein Drache auf dem Berg klingen zwar nach Fantasy, aber erst Figuren mit innerem Antrieb, eine glaubwürdige Welt und ein klarer Konflikt machen daraus einen Text, der wirklich hängen bleibt. Genau dort beginnt der Unterschied zwischen einer netten Einreichung und einer Geschichte, die Leserinnen und Leser in ihr eigenes Zauberreich zieht.

Papierfresserchens MTM-Verlag schreibt seit 20 Jahren Anthologieprojekte in unterschiedlichen Genres aus - auch im Fantasybereich.
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Was ein Fantasy-Geschichten-Schreiben-Wettbewerb wirklich verlangt
Fantasy verzeiht viel und verlangt zugleich besonders viel. Das Genre erlaubt Magie, neue Welten, sprechende Tiere, untergegangene Reiche und Regeln, die es außerhalb der Geschichte gar nicht gibt. Gerade deshalb prüfen Lesende sehr genau, ob diese erfundene Welt in sich stimmig bleibt. Ein Wettbewerb sucht selten nur originelle Einfälle. Gesucht werden Texte, die ihre eigene Logik ernst nehmen.
Für Schreibende ist das eine gute Nachricht. Man muss nicht die größte Welt bauen und nicht das komplizierteste Magiesystem erfinden. Häufig überzeugt eine kleinere, klar geführte Geschichte stärker als ein Text, der in drei Seiten fünf Königreiche, sieben Zauberarten und zwölf Nebenfiguren vorstellen will. Besonders bei Ausschreibungen mit begrenzter Zeichenzahl zählt Konzentration mehr als Größe.
Dazu kommt noch etwas anderes: In Wettbewerben lesen Menschen viele Texte hintereinander. Eine Geschichte fällt nicht deshalb auf, weil sie möglichst laut ist, sondern weil sie einen eigenen Ton hat. Ein besonderer Blick auf ein altes Motiv kann stärker wirken als der Versuch, das Genre jedes Mal neu zu erfinden.
Die erste Idee: Nicht bei der Welt beginnen, sondern beim Problem
Viele Fantasy-Texte starten mit Landkarten im Kopf. Das macht Spaß, kann aber auch in eine Falle führen. Wer zu früh nur am Weltenbau arbeitet, vergisst leicht die eigentliche Bewegung der Geschichte. Wettbewerbstexte werden oft dann ausgewählt, wenn am Anfang nicht die Welt steht, sondern ein Problem, das eine Figur nicht ignorieren kann.
Vielleicht darf ein junges Mädchen als Letzte ihres Dorfes die verbotene Bibliothek betreten. Vielleicht verliert ein Lehrling seine Magie genau in dem Moment, in dem das Reich sie am dringendsten braucht. Vielleicht entdeckt ein Kind, dass die Monster unter dem Bett nicht gefährlich sind, sondern Schutz suchen. Solche Ansätze tragen sofort Spannung in sich, weil sie nicht nur Atmosphäre versprechen, sondern Handlung.
Die Welt entsteht dann aus dem Konflikt heraus. Das ist meist ergiebiger als umgekehrt. Wenn der Konflikt klar ist, entscheidet sich fast von selbst, welche Regeln, Orte und Wesen die Geschichte wirklich braucht und welche nur hübsches Beiwerk wären.
Warum einfache Prämissen oft einfacher sind
Gerade im Fantasybereich wirkt eine schlichte Ausgangslage oft überraschend kraftvoll. Sie gibt Raum für Charakterentwicklung und für emotionale Tiefe. Ein Text muss nicht episch sein, um groß zu wirken. Manchmal reicht eine einzige Entscheidung mit weitreichenden Folgen.
Das gilt besonders für Kinder und Jugendliche, die an einem Schreibwettbewerb teilnehmen. Wer noch am Anfang des Schreibens steht, muss nicht gleich eine mehrbändige Saga entwerfen. Eine klar fokussierte Erzählung mit Herz, Mut und eigener Stimme ist oft genau das, was in Erinnerung bleibt. Selbstverständlich haben wir auch in diesem Bereich bereits einige Bücher veröffentlicht, die jungen Schreibenden als Beispiel dienen kann.
Figuren, die mehr sind als Rollen
In Fantasygeschichten gibt es häufig bekannte Figurenmuster: die Auserwählte, der alte Magier, die Rebellin, der Verräter, das Waisenkind mit besonderer Gabe. Solche Muster sind nicht verboten. Problematisch wird es erst, wenn eine Figur nur noch ihre Funktion erfüllt.
Spannend wird eine Wettbewerbs-Einreichung, wenn die Hauptfigur nicht nur etwas Besonderes kann, sondern auch etwas riskiert. Was steht für sie auf dem Spiel? Wovor hat sie Angst? Was will sie, obwohl es unvernünftig ist? Je genauer diese Fragen beantwortet sind, desto lebendiger wird der Text.
Auch Nebenfiguren verdienen Sorgfalt. Nicht jede braucht eine lange Hintergrundgeschichte, aber jede sollte eine klare Wirkung entfalten. Eine freundliche Hexe ist interessanter, wenn ihre Hilfe einen Preis hat. Ein finsterer König wirkt stärker, wenn man versteht, was ihn antreibt. Schwarz-Weiß funktioniert in manchen Märchenstoffen, in vielen Wettbewerbsgeschichten trägt jedoch ein wenig Ambivalenz weiter.
Weltenbau mit Maß
Fantasy liebt Details. Namen, Rituale, Karten, Speisen, Sprachen, Wappen - all das kann eine Welt reich machen. In einem Wettbewerb ist aber nicht die Menge entscheidend, sondern die Auswahl. Gute Welten zeigen sich nicht nur in Erklärungen, sondern in kleinen, treffenden Spuren.
Wenn es in einer Stadt nach Pfefferminze riecht, wenn Reisende beim Betreten eines Hauses ihre Schatten an der Tür abgeben müssen oder wenn Kinder im Winter mit winzigen Hausdrachen spielen, entsteht Atmosphäre sofort. Solche Details wirken stärker als lange Abschnitte über die Geschichte eines Reiches, die für den aktuellen Plot kaum Bedeutung haben.
Es hilft, sich bei jeder Information zu fragen: Braucht die Geschichte das jetzt? Wenn die Antwort nein lautet, darf die Idee trotzdem gut sein - nur vielleicht für einen anderen Text. Weglassen ist keine Schwäche, sondern oft eine Form von Präzision.
Magie braucht Regeln
Nichts nimmt einer Fantasygeschichte schneller die Spannung als Magie, die immer genau das kann, was gerade nötig ist. Wenn alles jederzeit möglich ist, wird keine Entscheidung teuer. Dann verliert auch der Konflikt an Schärfe.
Magie muss nicht kompliziert sein. Aber sie braucht Grenzen, Folgen oder Kosten. Vielleicht erschöpft jeder Zauber. Vielleicht kann Magie nur Erinnerungen verändern, nicht aber die Wirklichkeit. Vielleicht bindet sie sich an Sprache, Wahrheit oder Opfer. Solche Regeln geben der Geschichte Halt und machen Problemlösungen glaubwürdig.
Was Verlage oft überzeugt
Ein Fantasy-Geschichten-Schreiben-Wettbewerb wird meist nicht von einem einzelnen Kriterium entschieden. Es ist das Zusammenspiel aus Idee, Sprache, Dramaturgie und Wirkung. Trotzdem lassen sich einige Muster erkennen, die immer wieder tragen.
Sehr oft bleiben Geschichten im Gedächtnis, die von Anfang an eine klare Situation schaffen. Der Einstieg sollte nicht erst lange Anlauf nehmen. Wer mit einem Moment beginnt, in dem schon etwas kippt, zieht Lesende schneller hinein. Ebenso wichtig ist ein Schluss, der nicht einfach abbricht. Er muss nicht alles erklären, aber er sollte ein Gefühl von Vollendung hinterlassen.
Auch Sprache zählt. Fantasy muss nicht überladen klingen, um poetisch zu sein. Im Gegenteil: Zu viele Schmuckwörter können den Blick auf das Eigentliche verstellen. Ein sicherer, bildstarker Stil wirkt mehr als drei Seiten Nebel, Silberlicht und uraltes Schicksal. Pathos hat seinen Platz, aber nur dort, wo es verdient ist.
Und noch etwas: Originalität entsteht nicht nur aus neuen Wesen oder neuen Zauberformen. Sie entsteht aus Perspektive. Zwei Texte können beide von einem Drachen handeln, und doch wirkt einer frisch, weil er aus der Sicht der Drachenhüterin erzählt wird, die selbst Feuer fürchtet.
Den Wettbewerb lesen, nicht nur den Traumtext schreiben
So verlockend es ist, einfach die eigene Lieblingsgeschichte einzureichen - Wettbewerbe haben konkrete Rahmenbedingungen. Thema, Länge, Altersgruppe, Ton und mögliche Ausschlusskriterien sind keine Nebensache. Wer sie sorgfältig liest, schreibt nicht angepasster, sondern klüger.
Manche Ausschreibungen suchen eher märchenhafte Stoffe, andere moderne Fantasy, düstere Welten oder humorvolle Abenteuer. Es lohnt sich, den eigenen Text daraufhin zu prüfen, ob er wirklich zum Projekt passt. Ein brillanter Text kann an der falschen Stelle dennoch vorbeigehen.
Gerade darin liegt die Stärke erfahrener Ausschreibungsformate, wie sie etwa Papierfresserchens MTM-Verlag seit vielen Jahren begleitet: Sie geben nicht nur ein Thema vor, sondern schaffen einen Rahmen, in dem ganz unterschiedliche Stimmen sichtbar werden können. Das ist für Einsteigerinnen und Einsteiger ebenso wertvoll wie für Schreibende mit Erfahrung. "Häufigstes Ausschlusskriterium für Einreichungen sind übrigens Texte, die deutlich länger sind als wir in der Ausschreibung abgegeben haben", sagt Verlegerin Martina Meier MA, ihres Zeichens Literaturwissenschaftlerin. "Und dabei geht es nicht um ein paar Hundert Zeichen, die ein Text länger ist, sondern oft um 4000, 5000 oder auch schon mal 15000 Zeichen mehr."

Schreiben, entdecken, fantasieren – kreative Geschichten beginnen mit einer einzigen Idee! Unsere Bücher Kreatives Schreiben für Kinder bieten auch außerhalb von Schreibwettbewerben tolle Anregungen.
Überarbeiten ist kein lästiger Nachtrag
Tipp für junge Schreibende und Begleitende
Viele Texte scheitern nicht an der Idee, sondern an der Fassung, die zu früh abgeschickt wird. Nach dem Schreiben beginnt die eigentliche Verlagsdisziplin: prüfen, kürzen, schärfen. Wo startet die Geschichte wirklich? Welche Szene wiederholt nur, was längst klar ist? Welche Figur spricht unverwechselbar, welche noch zu allgemein?
Hilfreich ist ein Blick auf Rhythmus und Klarheit. Lange Sätze sind nicht grundsätzlich schlecht, aber sie sollten bewusst gesetzt sein. Dialoge dürfen nicht nur Information transportieren, sondern müssen Spannung oder Charakter zeigen. Besonders in Fantasytexten lohnt es sich, erfundene Begriffe sparsam zu prüfen. Wenn jeder zweite Satz einen neuen Namen enthält, geht schnell Nähe verloren.
Manchmal braucht ein Text nur kleine Eingriffe. Ein stärkerer erster Satz. Ein genaueres Verb. Eine Wendung, die früher vorbereitet wird. Gute Überarbeitung macht eine Geschichte nicht glatt. Sie macht sie lesbar, tragfähig und wirksam. "Und vor allen Dingen eine vernünftige Rechtschreibprüfung, denn einen extrem fehlerhaften Text zu lesen, ist auch für unsere Lektor*innen keine schöne Arbeit",so Martina Meier. Ihre Empfehlung - der Duden-Korrektor, der ganz einfach online zu bedienen ist.
Kinder und Jugendliche bringen oft genau das mit, was Fantasy braucht: den Mut zum Ungewöhnlichen. Erwachsene Begleitpersonen sollten diesen Impuls nicht zu früh durch Regeln ersticken. Gleichzeitig hilft es jungen Autorinnen und Autoren, wenn sie ermutigt werden, nicht nur fantasievoll, sondern auch verständlich zu schreiben.
Wer Kinder beim Schreiben begleitet, kann gezielt nachfragen: Was will deine Figur? Warum ist dieser Ort wichtig? Was ist das Schwierigste an der Aufgabe? Solche Fragen stärken die Geschichte, ohne ihr die eigene Stimme zu nehmen. Gerade im Wettbewerb zählt nicht perfekte Technik allein, sondern der spürbare eigene Blick auf die Welt - oder auf Welten, die erst im Schreiben entstehen.
Fantasy ist mehr als Flucht. Sie ist eine Form, Wirklichkeit neu zu befragen - mit Monstern, Magie und Möglichkeiten. Wer das beim Schreiben spürt, schreibt selten beliebig. Und genau daraus entstehen Texte, die nicht nur an einem Wettbewerb teilnehmen, sondern lange nach dem letzten Satz weiterleuchten.


